
Aktuelle Gesundheit
Keine Angst vor der Bandscheiben-OP
Millionen leiden darunter. Auch Kaiser Franz. Der Münchner Arzt Dr. med. Matthias Schröder rät zum Eingriff.
Hobby-Golfer Franz Beckenbauer bückt sich nach dem Golfball. Plötzlich ein Stich im Rücken, der Fußballstar schreit mit schmerzverzerrtem Gesicht auf... Die Bandscheibe macht ihm wieder Probleme. Fast jeder dritte Deutsche hat - wie der „Kaiser" - im Laufe seines Lebens Probleme mit der Bandscheibe. Von der Verkäuferin, die den ganzen Tag stehen muss, bis zum Brummi-Fahrer macht das Volksleiden vor niemandem halt. Das Problem: Die meisten Menschen haben Angst vor einer dauerhaft schmerzbeseitigenden Operation.
Doch heutzutage müsse niemand mehr Angst haben, sagt der Münchner Neurochirurg Dr. med. Matthias Schröder. Die Zeiten, in denen vorschnell zum Messer gegriffen und durch große Schnittöffnungen operiert wurde, sind vorbei. Heute geht es dem Schmerz mit hochmodernen Methoden an den Kragen: „Mit mikrochirurgischer Operation", sagt Dr. Schröder.
Bei dieser Methode wird über einen nur vier bis fünf Zentimeter langen Hautschnitt der Zugang zum Operationsgebiet geschaffen. Auch die Endoskopische Operation (Schlüssellochprinzip) wird heute oft angewandt. Dabei wird über einen nur wenige Millimeter großen Kanal operiert. „Aus Patientensicht das schonendste Verfahren überhaupt" sagt Dr. Schröder. Doch soweit muss es oft gar nicht kommen. Mit ein paar einfachen Regeln kann jeder Schäden an der Bandscheibe vermeiden (siehe unten). Welche Methode zur Anwendung kommt, muss in jedem Einzelfall abgewogen werden.
Sollte dennoch eines Tages eine Operation nötig sein, keine Panik. „Die Bandscheibenoperation genießt völlig zu Unrecht den Ruf einer gefährlichen und undankbaren Operation" sagt Dr. Schröder. Nach einer Operation könnte so mancher Golfer wie Franz Beckenbauer endlich wieder angst- und schmerzfrei den Golfschläger schwingen...
Damit's nicht soweit kommt Richtiges Heben: Falsches Heben ist Gift für Rücken und Bandscheibe. Beim Heben mit durchgestreckten Beinen müssen die Bandscheiben ein vielfaches des eigenen Körpergewichtes aushalten. Wenn Sie einen schweren Gegenstand heben wollen, stellen Sie sich ganz dicht an ihn heran. Gehen Sie dann in die Knie. Um den Rücken gerade zu halten, strecken sie den Po nach hinten (kein Hohlkreuz)!
Richtiges Sitzen: Die aufrechte Sitzposition wird auf dem Becken aufgebaut. Kippen Sie das Becken ein wenig nach vorne und heben Sie die Brust. Das Kinn wird leicht gesenkt. Der Winkel von Unter- und Oberschenkel sollte mehr als 90 Grad betragen. Diese Haltung ist zuerst ein bisschen unbequem, bis sie sich daran gewöhnt haben.
Richtiges Liegen: Egal ob Sofa oder Bett, Sie sollten dafür sorgen, dass der Rücken nicht durchhängt. Gegebenenfalls können Sie zur Unterstützung ein Kissen in den Lendenwirbelbereich schieben.
DIE AKTUELLE, 29.10.2005, S. 76