Medizin
Problem Kreuz beim Golfsport
Interview mit dem Münchner Bandscheiben-Experten und Neurochirurgen
Dr. med. Matthias Schröder
Dr. Matthias Schröder operiert Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland und gilt als einer der führenden Bandscheibenspezialisten im süddeutschen Raum. Er hat seine Neurochirurgische Vertragsarztpraxis mitten in Münchens Innenstadt.
G.O.L.F.-TIME: Welche Ursachen hat der Kreuzschmerz?
Dr. Schröder: Die Lendenwirbelsäule ist gerade im Golfsport einer extremen Belastung ausgesetzt, mit zunehmendem Alter unterliegt die Wirbelsäule einem chronischen Verschleißprozess. Dieser kann Wirbelgelenke und die beteiligten Weichteilstrukturen betreffen, der Bandscheibe fällt eine Schlüsselrolle zu. Auslöser sind meist Bück- oder Drehbewegungen. Während anfänglich nur gelegentlich Schmerzen auftreten, werden sie oft im Verlauf stärker, der Übergang zum chronischen Rückenschmerz ist fließend, die Schmerzen bestehen dann auch in den Erholungsphasen. Spätestens dann ist professionelle Hilfe gefragt.
GT: Wie häufig sind Kreuzschmerz und Bandscheibenprobleme?
Dr. Schröder: Es handelt sich um ein echtes Volksleiden, in den industrialisierten Ländern leiden fast 90 Prozent aller Menschen einmal im Leben an Kreuzschmerzen. Fast jeder kennt in seinem Familien- und Bekanntenkreis Betroffene.
GT: An welchen Arzt wende ich mich mit Kreuzschmerz- und Bandscheibenproblemen?
Dr. Schröder: Idealerweise an einen Facharzt für Neurochirurgie, keine andere Facharztgruppe ist in der täglichen Praxis so häufig mit der Problematik Kreuzschmerz und Bandscheibe konfrontiert. Der Neurochirurg kennt die schwierige Anatomie am besten, hat immer eine mikrochirurgische Ausbildung und kann am besten beurteilen, ob operiert werden sollte.
GT: Wann sollte ein Bandscheibenvorfall operiert werden?
Dr. Schröder: Befunde auf den Röntgenbildern müssen mit den Beschwerden zusammenpassen. Wenn neurologische Ausfälle (z. B. eine Fußheberschwäche) aufgetreten sind, muss operiert werden, ansonsten muss die Entscheidung vom Leidensdruck abhängig gemacht werden.
GT: Welche Operations- und Therapieverfahren gibt es?
Dr. Schröder: Standard ist die mikrochirurgische Bandscheibenoperation, die ich sehr häufig durchführe. Durch das Operationsmikroskop hat man die beste Übersicht und kann den Zugang kleinstmöglich halten. In einigen Fällen kann auch endoskopisch (Schlüssellochprinzip) operiert werden. Der Stellenwert der Bandscheibenprothese lässt sich noch nicht abschätzen, hier fehlen seriöse Studiendaten. Als mikrotherapeutisches Verfahren führe ich gerne eine Spülung des Hauptnervenschlauches mit einem lang anhaltenden örtlichen Betäubungsmittel und einem hochwirksamen Kortisonpräparat mit dem sogenannten PDA-Verfahren durch. Wenn der Schmerz von den Zwischenwirbelgelenken kommt, so kann man unter dem Computertomographen (CT) eine gezielte Schmerzausschaltung der entsprechenden Gelenke durchführen. Heutzutage muss kein Mensch mit dem Kreuzschmerz leben.
Golf Time, Nr. 6, 2005, Seite 80